Die vergangenen IV-Revisionen hätten gute Instrumente wie etwa die Früherfassung und Frühintervention geschaffen, sagt Martin Kaiser vom Schweizerischen Arbeitgeberverband. «Viele kleinere und grössere Unternehmen haben in der Zwischenzeit auch ein Absenzen-Management oder ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufgebaut.» So gelinge es immer besser, rechtzeitig sich häufende Absenzen von Mitarbeitenden zu erkennen. «Ein Gespräch bildet dann den Ausgangspunkt, um zielführende Massnahmen zu ergreifen oder Partner wie die IV und Privatversicherungen einzubeziehen.»
Im Vordergrund steht dabei das Ziel, den betroffenen Arbeitnehmer weiterhin zu beschäftigen. Sollte es trotzdem zu einem Verlust des Arbeitsplatzes kommen, könne zu einem späteren Zeitpunkt eine Reintegration angestrebt werden, so Kaiser. Dazu eigne sich ein Arbeitsversuch: Beide Partner könnten damit ohne Risiko und Druck herausfinden, ob die Reintegration erfolgreich verläuft.

Anspruchsvolle Koordination
Der Prozess der Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen sei für alle Beteiligten eine Herausforderung, betont Kaiser. «Ich denke, es braucht volle Transparenz im Team über die Ausgangslage, die Art der Beeinträchtigung und die angestrebten Ziele.» Häufig seien viel Geduld und Verständnis nötig. Auch Rückschläge könnten nicht ausgeschlossen werden. Entscheidend sei das Zusammenspiel aller Leistungserbringer. «Sobald ein Arbeitgeber mit den Sozialversicherungen in Kontakt kommt, wird die Koordination anspruchsvoll.»
Die IV nehme dabei eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Arbeitgeber wahr. Aber auch private Versicherungen wie die Krankentaggeldversicherung könnten Arbeitgeber aktiv unterstützen. Der Arbeitgeberverband selbst wurde früh aktiv und hat unter anderem das Patronat über die Informationsplattform «Compasso» übernommen. Hier finden Arbeitgeber und andere Interessierte spezifische Informationen rund um Fragen der beruflichen Integration.

Martin Kaiser
Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes und zuständig für Sozialpolitik und Sozialversicherungen

Verantwortung übernehmen
Der Arbeitgeber könne oft am ehesten feststellen, wenn sich bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter gesundheitliche Probleme einstellen, sagt Kaiser. «Es ist deshalb wichtig, dass Vorgesetzte und Mitarbeitende sensibilisiert sind und auch die nötigen Führungsinstrumente zur Unterstützung wie etwa ein Absenzen-Management entwickelt werden.» Aufgabe der Arbeitgeber sei, eine Kultur zu entwickeln, die frühzeitig entstehende Schwierigkeiten von Mitarbeitenden thematisiert. «Letztlich zahlt es sich für Arbeitgeber, die ihre Verantwortung auch im Umgang mit Menschen mit einer Beeinträchtigung wahrnehmen, gleich mehrfach aus.» Weniger Krankheitsabsenzen führen zu tieferen Versicherungsprämien. Wenn Arbeitskräfte im Betrieb verbleiben können, wirkt sich dies positiv aufs firmeninterne Know-how aus. Auch der Firmenreputation kommt es zugute, wenn Menschen mit einer Beeinträchtigung integriert werden können.
Durch das Aufzeigen erfolgreicher Beispiele könnten weitere Arbeitgeber dazu motiviert werden, beeinträchtige Menschen zu beschäftigen, ist Martin Kaiser überzeugt. «Arbeitgeber sind häufig unsicher, wie sie mit der Herausforderung umgehen sollen. Deshalb ist es wichtig, auf gute Erfahrungen zurückgreifen zu können.»