Mimi Mollerus, machen Sie bitte diesen Satz fertig: Wenn du ein Familienunternehmen übernimmst, dann ...

... dann ... (lacht) ... dann mach dich auf viele Gespräche innerhalb der Familie gefasst.

Sie sind heute Geschäftsführerin von Maison Mollerus. Das klappte aber erst beim zweiten Anlauf.

Als ich zum ersten Mal an die Seite meines Vaters trat, 1999, war ich impulsiver und wollte zu schnell zu viele Dinge verändern. Ich dachte irgendwie: entweder ich oder du Papi. Das ging halt nicht. Denn in einem Familienunternehmen gilt ja oft dieses Gemeinsame. Umgekehrt kann jemand, der ein Unternehmen aufgebaut hat und es abgeben möchte, nicht einfach sagen: Du, ab morgen ist es deins. Eine Übergabe ist ein langer Prozess.

Sie verliessen die Firma wieder.

Ja. Ich hatte ja in Amerika den Master in International Business und Marketing gemacht. So sagte ich zu meinem Vater: Ich stosse mir lieber anderswo die Sporen ab und komme zu einem späteren Zeitpunkt zurück.

Und Sie kamen zurück, 2011.

In diesem Jahr hatte ich für meinen Vater zwei Nachrichten: Du, ich komme wieder und ich bin schwanger. Für ihn als Chef war es eine schlechte Nachricht, als werdender Grossvater hat es ihn riesig gefreut. Ich ging aber nicht wirklich je in Schwangerschaftsurlaub, da ja auch die Firma mein Baby ist.

Wie war es beim zweiten Anlauf?

Als ich zurückkam, tat ich viele Dinge anders. Und mein Vater liess mich machen und entscheiden. Ich stieg in die Geschäftsleitung ein.

Starke Frau. Fühlen Sie sich angesprochen?

Ja, das passt schon zu mir. Wenn man berufstätig ist, zwei Kinder hat, einen Haushalt, all dies organisieren muss und zudem für alle da sein will ... Man muss permanent hin- und herswitchen.

Was macht also die starke Frau aus?

Dass sie sich jeden Tag wieder neu aufrafft, erneut eine ganz grosse Motivation hat und nicht aufgibt. Es ist ja oftmals einfacher zu sagen: Na, dann machen wir es halt nicht, bleiben wir beim Alten. Eine starke Frau, finde ich, hat viele Ideen, die sie einbringt und ausprobiert. Sie lässt sich nicht abschütteln.

Sie haben sich durchgesetzt. Und Ihr Vater?

In einem Familienunternehmen, wo der Vater als erste Generation die Firma aufgebaut hat, gibt es ein «Ab heute bist du nicht mehr an der Spitze» nicht. Die Gründer bleiben per se mal Inhaber. Mein Vater ist heute noch in der Firma sehr zugegen. Er hat ja viel Erfahrung und Know-how. Das ist wertvoll.

Wo wirds schwierig?

Vielleicht wenn ich Geld für digitale Medien brauche, um online Werbung zu schalten. Dieses Thema ist für ihn nicht so greifbar.

In erster Linie ein Generationenproblem?

Ja, schon. Letztens musste ich meiner Tochter erklären, was ein Telefonbeantworter ist (lacht). Wenn ich mir nun überlege, als mein Vater die Firma gegründet hatte, da hatten sie Faxmaschinen, um Bestellungen zu machen.

Sie kommen aus Deutschland. Die Firma wurde vor über 30 Jahren in Zürich gegründet.

Heute haben wir alle den Schweizer Pass. Ich bin ein grosser Patriot. Mein Mann ist Schweizer. Er sagt oft, ich wäre schweizerischer als ein Schweizer. Ich bin sehr pünktlich und furchtbar spiessig. Und sehr exakt. Ich stehe einfach drauf (lacht).

Auf Swissness?

Ja. So produzieren wir einen grossen Teil der Taschen in der Schweiz und machen unsere Fotos immer mit einem Schweizer Model.

Ein Schweizer Kulturanlass, den Sie mögen?

Ich bin ein grosser Fan des Zurich Film Festival. Es ist toll organisiert. So viel Filmkultur, die jährlich nach Zürich gebracht wird! 

Wo spannen Sie in Zürich aus?

Ich gehe an den See. Frische Luft, das ist toll.