Haben die Menschen heute andere Lebenspläne als früher?

Ribar: Ich stelle immer wieder fest, dass die jungen Menschen von heute nicht mehr so stark auf ihren Beruf fokussiert sind wie früher. Sie wollen nicht mehr um jeden Preis Karriere machen. Wichtig ist ihnen die Work-Life-Balance oder das Reisen.

Sollen aufgrund dieser Entwicklung neue Arbeitsmodelle erarbeitet werden?

Ribar: Ich denke, das ist unumgänglich – Unternehmen und Wirtschaft müssen ihre Modelle überdenken und flexible und innovative Arbeitsstrukturen schaffen.

Wie ist die Chancengleichheit in der Schweiz? Wie ist Ihre Einschätzung?
 

Bei entsprechenden Voraussetzungen sollten alle Menschen die gleichen Chancen haben

Ribar: Das ist eine grosse Frage. Die Chancengleichheit hat sich sicherlich kontinuierlich verbessert und es entstehen laufend neue und innovative Modelle zur Inklusion. Allerdings birgt das Genderthema nach wie vor ein grosses Potenzial in sich. Noch immer erhalten talentierte und sehr gut ausgebildete Frauen weniger Chancen, sich im Beruf zu etablieren. Hat eine Frau Familie ist es sehr anspruchsvoll, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Das Thema Diversity nimmt in der SBB einen grossen Stellenwert ein und diese Themen werden im Verwaltungsrat besprochen. Auf der Stufe Unternehmensleitung gibt es zudem einen Diversitätsbeauftragten.

Können überhaupt alle Menschen gleich behandelt werden?

Ribar: Nein, und das sollen sie auch nicht. Menschen sind unterschiedlich und wir müssen immer mehr auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen. Aber Chancen sollen alle die gleichen haben, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen.

Was halten Sie von Frauenquote?

Ribar: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Frauenquote nicht der richtige Weg ist. Frauen sollen aufgrund ihrer Qualifikationen und Eignung gewählt werden und nicht deshalb, weil die Quote eine Frau verlangt.

Haben Unternehmen mit Fokus auf die Diversität die besseren Chancen in Zukunft?

Ribar: Es gibt viele Untersuchungen zu diesem Thema. Persönlich bin ich der festen Überzeugung, dass das so ist, weil gemischte Teams die besseren Entscheidungen treffen. 

Wie wichtig ist die Integration von Menschen mit Einschränkungen in Unternehmen?

Darvishy: Es gibt verschiedene Aspekte, die für eine Integration sprechen. Zum einen ist es der volkswirtschaftliche Aspekt. Wenn Menschen mit Beeinträchtigungen im ersten Arbeitsmarkt integriert werden können, muss der Staat weniger Renten zahlen und Fachwissen kann in den Arbeitsmarkt fliessen, das mit sehr gutem Erfolg für Unternehmen eingesetzt werden kann.

Diese Menschen zeigen zudem anderen Mitarbeitenden, dass sie ihre Stärken einsetzen, und dienen damit als Vorbild. Nicht zuletzt spricht ein gesellschaftlicher Aspekt dafür: Indem Unternehmen Menschen mit Beeinträchtigungen einsetzen, geben sie der Gesellschaft etwas zurück.

Können wir durch Technologien und Innovationen zu mehr Diversität beitragen?

Darvishy: Dank Informations- und Kommunikationstechnologien ist es für Menschen mit Beeinträchtigungen möglich, vermehrt zu arbeiten und sich zu entfalten – dies führt automatisch zu mehr Diversität.

Klappt die Inklusion heute besser als früher?

Darvishy: Nein, nur teilweise, die Privatwirtschaft ist erst am Anfang, Menschen mit Beeinträchtigungen in Unternehmen einzustellen. Heute ist die Einschätzung viel differenzierter als früher und man weiss viel mehr, wie man mit solchen Situationen umgehen kann. Es geht nämlich darum, die Stärken in den Vordergrund zu stellen.

Was würden Sie sich in Zukunft wünschen?

Darvishy: Ich wünschte mir noch mehr Sensibilisierung. Zwar ist das Wissen im Umgang von Menschen mit Beeinträchtigungen viel besser als noch vor Jahren, aber dennoch bestehen noch zu wenig Kenntnisse über die verschiedenen Möglichkeiten.

Zum einen ist in dieser Hinsicht Wissensvermittlung beispielsweise in Volksschulen notwendig und zum anderen sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich diese Gruppe bestmöglich ausbilden kann.

Das heisst, Unternehmen sollen auch dafür mehr Offenheit und Bereitschaft signalisieren. Informations- und Kommunikationstechnologien können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten.