Barbara Schaerer
Direktorin des Eidgenössischen Personalamtes

Die rund 36 000 Mitarbeitenden nehmen in einem sehr dynamischen und politischen Umfeld ein breites Spektrum an Aufgaben wahr. So vielfältig wie die Anforderungen sind, so vielfältig müssen auch unsere Mitarbeitenden und deren Wissen sein.

Der Bundesrat legt in der Personalstrategie Bundesverwaltung 2011-2015 grossen Wert auf die Vielfalt im Personalkörper. Verschiedene Sprachen, Altersgruppen, Kulturen, Geschlechter oder soziale Schichten vereint zu haben, versteht er als Chance. Die unterschiedlichen Blickwinkel und Erfahrungen bringen einen Mehrwert, der für die Bundesverwaltung unverzichtbar ist. Die Bundesverwaltung ist ein Abbild der Schweiz. Sie fördert die Vielfalt, stellt die Chancengleichheit sicher und verhindert Diskriminierungen.

Was heisst das konkret?
Bei gut durchmischten Teams ergänzen sich die individuellen Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven. Die Stärken der einzelnen Mitarbeiterin oder des einzelnen Mitarbeiters kommen besser zur Geltung, was diese nicht nur motiviert, sondern auch zu qualitativ besseren Resultaten führt. Damit alle von einem richtig verstandenen Diversity Management profitieren können, braucht es zudem den Willen, das Engagement und die Überzeugung der Führung.
 

«Wir erachten es auch als unsere gesellschaftliche Verantwortung, das Potenzial der kulturellen Vielfalt bestmöglich zu nutzen.»


Der Arbeitsmarkt, aus dem wir unsere Ressourcen schöpfen, ist ein Abbild unserer Gesellschaft. Diese ist vielfältiger und internationaler als noch vor zwanzig Jahren. Sie wird aber auch immer älter und die nachfolgenden Generationen sind mengenmässig kleiner. Die Rekrutierung der richtigen Arbeitskräfte ist nicht einfacher geworden, sie bietet aber neue Chancen und öffnet neue Perspektiven.
Um die Vielfalt in einem Unternehmen zu gewährleisten, müssen wir auf unterschiedlichen Ebenen handeln. Ein zentrales Element ist dabei die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dabei braucht es für jede Lebensphase der Mitarbeitenden ganz unterschiedliche Massnahmen. Seit Juli 2013 haben alle Mitarbeitenden in der Bundesverwaltung beispielsweise das Recht auf eine Reduktion des Beschäftigungsgrades um bis zu 20 Prozent bei Geburt oder Adoption eines Kindes. Väter haben zwei Wochen Vaterschaftsurlaub und wir beteiligen uns an den Kosten der externen Kinderbetreuung. Weiter bieten wir verschiedene, flexible Arbeitsformen an, wie zum Beispiel Teilzeit und Jobsharing, und zwar auch in Kaderfunktionen.

Vorgaben für die Entwicklung der Vielfalt
Mit den strategischen Sollwerten und Indikatoren für das Personalmanagement der Bundesverwaltung hat der Bundesrat Vorgaben für die Entwicklung der Vielfalt im Personalkörper vorgegeben. Bis Ende 2015 soll der Frauenanteil im mittleren Kader zwischen 29 und 34 Prozent und im oberen Kader zwischen 16 und 20 Prozent betragen.

Damit wir das Potenzial aller Altersgruppen ausschöpfen und der demografischen Herausforderung entgegentreten können, sind wir daran interessiert, dass unsere Mitarbeitenden möglichst über das reguläre Pensionierungsalter hinaus weiterarbeiten. Unsere Arbeitsbedingungen werden deshalb auch den Bedürfnissen älterer Mitarbeitenden gerecht. Wir ermöglichen das Arbeiten bis 70 Jahre. Wir haben unsere Vorsorgelösungen so umgestaltet, dass ein gestaffelter Übergang in die Pensionierung mit Reduktion des Arbeitspensums und Teilpensionierung möglich ist und sich auch finanziell lohnt.

Vorbildrolle wahrnehmen
Die Bundesverwaltung nimmt ihre Vorbildrolle hinsichtlich der Chancengleichheit ernst, so zum Beispiel im Bereich der Nichtdiskriminierung und Förderung der beruflichen Chancen von Menschen mit Behinderungen. Wir bieten ein professionelles Case Management an und setzen finanzielle Anreize, damit Verwaltungseinheiten Menschen mit Behinderungen anstellen. Das Ziel der bundesrätlichen Vorgaben ist es, dass der Anteil der Mitarbeitenden mit Behinderung bis 2015 zwischen einem und zwei Prozent beträgt.
Wir erachten es auch als unsere gesellschaftliche Verantwortung, das Potenzial der kulturellen Vielfalt bestmöglich zu nutzen – beispielsweise, indem wir mit Sprachkursen unsere Mitarbeitenden befähigen, in unseren Landes- und Amtssprachen zu kommunizieren. Damit fördern wir die gegenseitige Verständigung in der Bundesverwaltung und sorgen dafür, dass wir der Bevölkerung in der ganzen Schweiz noch bessere Dienstleistungen erbringen können. Deshalb haben wir auch für die Vertretung der Sprachgemeinschaften in der Bundesverwaltung Zielwerte festgelegt. Gemäss der Volkszählung von 2000 müssen zwischen 68,5 und 70,5 Prozent der Mitarbeitenden deutscher Muttersprache, zwischen 21,5 und 23,5 Prozent französischer Muttersprache, zwischen 6,5 und 8,5 Prozent italienischer Muttersprache und schliesslich zwischen 0,5 und 1 Prozent rätoromanischer Muttersprache sein.

In der Vielfalt liegt unsere Stärke. Zu oft wird brachliegendes Potenzial aber noch nicht genutzt. Fördern wir deshalb die Vielfalt in Verwaltung und Wirtschaft, die unsere vielfältige Gesellschaft widerspiegelt und die Schweiz vorwärts bringt!