Prof. Dr. Rico J. Baldegger
Direktor Hochschule für Wirtschaft Freiburg

Die Struktur und die Natur unternehmerischen Verhaltens variiert nicht nur je nach Land oder nach Zeitablauf. Nicht zuletzt spielt die Frage des Geschlechts eine entscheidende Rolle. Demographisch gesehen, hat die Schweiz in der Altersklasse der 15- bis 64-Jährigen unter dem Gender-Aspekt grundsätzlich ein ausgeglichenes Verhältnis, was notabene für die meisten Nationen der Welt gleichfalls gilt. Unternehmerische Aktivitäten von Frauen – gemessen an der international vergleichbaren Early-stage Entrepreneurial Activity (TEA-rate) – sind allerdings nachweislich in den meisten Ländern geringer als diejenigen der Männer.

In einigen Ländern sind die Unterschiede sogar extrem, die Dominanz männlicher Unternehmensgründer ist statistisch belegbar offenkundig. Die internationale Studie Global Entrepreneurship Monitor 2013 belegt diese Unterschiede für 67 Länder unumstösslich. Der GEM listet hierfür nunmehr verschiedene Gründe auf. Fehlende Geschäftskenntnisse verbunden mit der einmal gewählten Ausbildung skizzieren ein Erklärungsmuster. Nicht zu vernachlässigen ist überdies in globo die Rolle der Frau in der Gesellschaft, ihr weniger ausgeprägtes soziales Netzwerk und/ oder fehlende Identifikationsmuster von Frauen als Unternehmerinnen.

Frauen sind fundamental fürs weitere Wirtschaftswachstum
In einigen Ausnahme-Ländern waren in den letzten Jahren vermehrt unternehmerische Aktivitäten von Frauen festzustellen, namentlich in einige Staaten Südostasiens, Nordeuropas und der USA. Dies geht einher mit dem seitens der OECD dargelegten Szenario, dass eine zunehmende unternehmerische Aktivität von Frauen wesentlich, nicht zu sagen fundamental ist, um zusätzliches wirtschaftliches Wachstum zu generieren.
Das Verhältnis der unternehmerischen Gründungsaktivität von Frauen und Männern ist hinsichtlich der Schweiz im internationalen Vergleich als ausserordentlich zu bezeichnen, ist es doch beinahe ausgeglichen. Dieser Befund hinwiederum bestätigt den Aufholprozess der Frauen als Unternehmerinnen in der Schweiz in den letzten zehn Jahren.

War 2003 noch ein klarer Überhang männlicher Gründungsaktivität zu verzeichnen, hat sich dies in den vergangenen vier Jahren immer mehr ausgeglichen, 2013 stabilisierte sich die Entwicklung. Die unternehmerischen Gründungsbemühungen der Frauen und Männer bewegen sich quasi auf gleichem Niveau. Analysiert man das weibliche Entrepreneurship in der Schweiz, so fällt ins Auge, dass der aus der Not geborene Anteil an Unternehmensgründungen signifikant tiefer ausfällt als in anderen Ländern. Dies kann einerseits interpretiert werden für die verstärkte Stellung der Frauen im Wirtschaftsgeschehen, kombiniert mit gesteigertem Selbstvertrauen einerseits sowie selbstredend die positive ökonomische Lage der Schweiz insgesamt andererseits dürften diesen Umstand hinreichend erklären. Um das Level an unternehmerischen Aktivitäten der Frauen zu halten resp. möglichst zu erhöhen, sind der Ausbau der sozialen Unterstützungen sowie die Forcierung der Akzeptanz und Förderung von Frauen als Unternehmerinnen unabdingbar. Anstrengungen dieser Art bedürfen eines Wandels der Gesellschaft, mithin eines langen Atems in jeglicher Hinsicht.