Frau Groeneveld, welchen Wendepunkt in Ihrem Leben würden Sie als besonders prägend bezeichnen?

Meinen ersten grossen Wendepunkt erlebte ich als Gymnasiastin an der Kantonsschule Enge. Aufgrund der Städtepartnerschaft zwischen Zürich und San Francisco bot sich mir die Möglichkeit, ein dreiwöchiges Austauschprogramm in San Francisco zu absolvieren.

Dabei hatte ich das Glück, eine sehr aufgeschlossene Gastfamilie zu haben. Sie zeigten mir die USA und auch die grossen Universitäten wie Stanford und Berkeley und später auch Yale. Yale habe ich als «education paradise» erlebt, die Studenten sehen es als Privileg, hier studieren zu dürfen.

Man spürt die Wertschätzung für Bildung. Das hat mich beeindruckt und ich wusste, wo ich hinwollte. Von meinem Ziel angespornt, habe ich die Matur als Jahrgangsbeste abgeschlossen und nach diversen Zusatzprüfungen tatsächlich den Sprung nach Yale geschafft. Dort habe ich mich für Wirtschaft eingeschrieben.

Wann haben Sie Ihre ersten unternehmerischen Erfahrungen gemacht?

Ich schrieb mich im ersten Semester bei der Yale Entrepreneurial Society ein und gründete kurz darauf zusammen mit einem Studienkollegen eine Webplattform für gute Nachrichten, aus der später die Studentenorganisation Inspiring Yale hervorging.

Innerhalb von Yale hat sie eine gewisse Bekanntheit erlangt und ich habe gelernt, eine Idee von A bis Z umzusetzen, was rückblickend sehr lehrreich war, auch wenn die Plattform nie über die Universität hinaus bekannt wurde (Lacht).

Dann war für Sie schon früh klar, dass Sie ein Start-up gründen möchten?

Ich habe während meines Studiums eine Vielzahl von Praktikas absolviert und so in viele Branchen Einblick erhalten

Tun Sie jeden Tag etwas für Ihre Idee, und wenn es nur etwas ganz Kleines ist. Schreiben Sie eine E-Mail, machen Sie ein Telefon, aber tun Sie’s

Als kreativer und neugieriger Mensch, der Routine eher meidet, dafür aber gut mit Ungewissheit klarkommt, war eine Startup Gründung naheliegend. Dabei
habe ich zwar immer mein Bestes gegeben, meine Karriere jedoch nie bewusst geplant. Vieles hat sich so ergeben.

Ich habe jedoch nie bewusst meine Karriere geplant, vieles hat sich so ergeben.

Wie kam es dann schliesslich zur Firmengründung von Inspire 925?

Ich habe im Silicon Valley in einem Webstart-up gearbeitet, war aber auch in New York tätig und durfte dank den verschiedenen Arbeitserfahrungen ganz unterschiedliche Arbeitsklimata kennenlernen. Von der spielerischen Feelgood-Kultur bei Start-ups im Silicon Valley hin zum traditionellen, hierarchischen Klima der Finanzwelt.

Daraus hat sich mir die Frage gestellt: «Hat ein positives Arbeitsumfeld einen ökonomischen Wert?» Ich habe meine Abschlussarbeit in Yale diesem Thema gewidmet und kam zum Schluss: «Ja, hat es.» Die Arbeit wurde zur Grundlage für mein Unternehmen Inspire 925.

Wir helfen Firmen dabei, Mitarbeiterengagement, Zusammenarbeit und Innovationsfähigkeit zu fördern, oft auch durch den Einsatz von digitalen Tools.

Ich hoffe, dass ich damit zu einer Welt beitragen kann, in der die Menschen gerne und engagiert arbeiten und mit einer positiven Grundhaltung in den Arbeitsalltag hineinstarten. Im Sinne von: Thank God its Monday.

Sie hatten lukrative Jobangebote und haben sich für den unsichersten Weg entschieden. Kamen Sie auch an Ihre Grenzen?

Vor der Gründung hatte ich drei Möglichkeiten: Weiterhin mit dem Impact Hub in Zürich zusammenzuarbeiten, eine Stelle bei der UNO in New York anzunehmen oder die Idee von Inspire 925 weiterzuverfolgen. Dass man bei der Firmengründung an die eigenen Grenzen stösst, gehört dazu, und natürlich ist aller Anfang schwer.

Doch ich finde es macht das Leben lebenswerter, wenn man immer wieder aus der eigenen Komfortzone tritt und Möglichkeiten für sich und sein Team schafft, über sich hinauszuwachsen und Neues zu wagen.

Welche Tipps können Sie Menschen geben, die ein Start-up gründen möchten?

Zweifeln Sie weniger an sich selbst und packen Sie es an. Tun Sie jeden Tag etwas für Ihre Idee, und wenn es nur etwas ganz Kleines ist. Schreiben Sie eine E-Mail, machen Sie ein Telefon, aber tun Sie’s. Ich stelle oft fest, dass man sich das Bein stellt, bevor man überhaupt gestartet ist, weil man das Gefühl hat, es muss alles schon ausgeplant sein und man muss genau wissen, wie man es macht.

Läuft es dann nicht ganz so rund, lassen sich viele aus der Ruhe bringen. Die Ungewissheit, dass sich die Dinge manchmal anders entwickeln, muss man akzeptieren und diese Veränderungen proaktiv nutzen.