Herr Kienast, Sie bieten Job Coaching an, was genau ist das?
Ein Job Coach unterstützt den Menschen mit Behinderung bei der Stellensuche und während der Anstellung an seinem Ausbildungs- und Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt. Jugendliche Schulabgänger mit Beeinträchtigungen haben aufgrund spezieller, individueller Frühförderungsmöglichkeiten während ihrer Schulzeit heute ganz andere Perspektiven als es früher der Fall war. Deshalb fördern wir die Ausbildung nicht mehr nur in geschützten Werkstätten, sondern in Form von Integration in der Privatwirtschaft. Das Modell des «Supported Employment» kam aus Amerika vor etwa zehn Jahren in die Schweiz. Die Stiftung Züriwerk ist eine der wenigen Institutionen, die diese Methode seit rund fünf Jahren für Menschen mit geistiger Behinderung erfolgreich umsetzt.
    
Wie kommen Sie an die Aus­bildungsplätze?
Diese werden vom Job Coach gezielt  im ersten Arbeitsmarkt akquiriert. Mit einem solchen Ausbildungsplatz beginnt die Integration bereits  beim  ersten Schritt in die Arbeitswelt. Da das Züriwerk die komplette Administration übernimmt, bauen wir wesentliche Hürden für die Betriebe ab.

Welche Beeinträchtigungen ­haben die Jugendlichen?
Vornehmlich geistige Behinderungen, natürlich nicht schwerste Behinderungen. Aber früher wurden auch ­diese Jugendlichen ausschliesslich in geschützten Werkstätten beschäftigt.

Welche Chancen bekommen die Jugendlichen bei Ihnen für ihren weiteren Lebensweg?
Wir versuchen bereits mit der Ausbildung ein Umfeld zu schaffen, welches ihnen langfristig eine Perspektive gibt. Manche können später im ersten Arbeitsmarkt eine dauerhafte Beschäftigung finden.

Um welche Berufe geht es?
Der Berufswunsch des Behinderten steht im Zentrum. Eine Haupttätigkeit des Job Coachs ist es, eine individuell passende  Branche zu finden, zum Beispiel Ausbildungen zum Hauswirtschafts-, Hauswart-, Industrie-, Gartenbau- oder Detailhandelsangestellte und Büroassistenten.

Ist die Akquisition schwierig?
Sie ist sehr anspruchsvoll und nicht immer erfolgreich. Wir sind immer auf der Suche nach Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten können.

Treffen Sie auf Vorbehalte, dass behinderte Jugendliche nicht ­leistungsfähig oder unzuverlässig sind?
Die Entscheidungsträger in den Firmen sind meistens positiv eingestellt. Die Integration auf Mitarbeiterstufe ist schwieriger. Behinderte Arbeitskollegen brauchen da und dort Unter­stützung.

Wie weit greift die Arbeit des Job Coaches?
Ist eine Stelle gefunden, begleitet der Coach den Jugendlichen bei der Vorbereitung und Einrichtung des Arbeitsplatzes. Da beginnt auch das Gespräch mit den Arbeitskollegen. 80 Prozent des Erfolges ist auf die Arbeit des Job Coachs vor Arbeitsantritt zurückzuführen. Anfangs schaut der Job Coach wöchentlich, später monatlich oder bei Bedarf für Kriseninterventionen vorbei.