Helena Trachsel
Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich

Ihr persönlicher Eindruck täuscht nicht: Es finden sich noch immer wenige Mädchen und Frauen in diesen Berufen. Zugleich klagen Unternehmen über den Fachkräftemangel, vor allem in der technischen Branche, jedoch auch in allen MINT-Berufen (MINT=Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

Frauen und technische Berufe
Ein Blick auf die häufigsten Berufe zeigt, dass Männer in den handwerklichen, technischen und naturwissenschaftlichen sowie in den mathematischen Berufen stärker repräsentiert sind. Gerade der vorherrschende Fachkräftemangel zeigt deutlich, wie wichtig das Potenzial der Frauen für Arbeitgebende und wie gross ihre Chancen in diesen Berufen sind. Technische Berufe haben von jeher und zukünftig noch stärker eine grosse Bedeutung. Ihnen verdanken wir viele Erleichterungen und immense Fortschritte. Technik ist heute in jedem Beruf präsent und wird weltweit in fast allen Bereichen angewendet. Die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich veröffentlicht jährlich die beliebtesten Berufe von Mädchen und Jungen um damit das Interesse der Jugendlichen an einer «untypischen» Berufs- und Studienwahl zu fördern und mit positiver Anerkennung Jugendliche in die weniger bekannte, aber ungemein vielseitige Berufswelt zu begleiten. Und so einen Beitrag zu leisten, der Ungleichheiten verringert, wie beispielsweise die tieferen Löhne in klassischen Frauentätigkeiten oder die ungleichen Chancen für beruflichen Aufstieg für beide Geschlechter.
 

«Ohne Frauen geht es nicht – gerade in technischen Berufen.»

Fachkräftemangel – Chance für Frauen
Eine Sichtung der Stelleninserate zeigt, dass häufig Stellen in Handwerk und Technik wiederholt veröffentlicht werden, was darauf hinweist, dass diese Stellen schwerer zu besetzen sind. Ebenso deutlich zeigt sich das Fehlen von Fachpersonal in den sogenannten «Mangelberufen», den Berufen des Bau- und Metallsektors sowie IT und Ingenieurswesen und in den Pflegeberufen als einzigem typisch weiblichen Beruf. Naheliegend ist nun, das Interesse für diese Berufe bei den Mädchen früh zu wecken und sie verstärkt für diese Mangelberufe auszubilden.

Ein Blick in die Zukunft
Zukunftsbranche sind die boomenden Bereiche der wichtigen Innovationsfelder wie die Maschinen- und Automobilbau, der Nano- und Biotechnologie, die Informations-und Kommunikationstechnologie sowie Umwelt- und Energietechnik. Diese Arbeitsbereiche bieten den Frauen bei einer adäquaten Ausbildung intakte Karrierechancen. Bei dem aktuellen Fehlen geeigneter Kandidaten werden sich die Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen auch punkto flexibler Arbeitzeitmodelle und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Frauen und Männer weiter verbessern.

Der demografische Wandel und seine Wirkung auf den Arbeitsmarkt
Die Prognosen zeigen, dass ab dem Jahr 2020 mit einem Rückgang der Arbeitnehmenden im erwerbsfähigen Alter zu rechnen ist.
Die Zahl der jungen Erwerbspersonen wird rückläufig sein und die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner wird steigen.
Um die Kosten der sozialen Sicherheit auf viele Personen verteilen zu können, fordern Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, das Arbeitskräftepotenzial der Jungen, Frauen und Älteren stärker zu fördern und besser zu nutzen.

Männertypische, technische Berufe: Schutz gegen Verarmung der Frauen
Die Mädchen entscheiden sich nach wie vor meist für «frauentypische» Berufe, in denen sie zwar häufig der Familie wegen Teilzeit arbeiten können, in denen jedoch die Löhne deutlich schlechter sind als in «männertypischen» Berufen. Entscheiden sich Mädchen für technische Berufe, gewinnen sie finanziell viel.

Automatisierung vereinfacht Arbeitsabläufe und Arbeitsbedingungen
Die Annahme, dass technische oder handwerkliche Berufe anstrengende körperliche oder schmutzige Arbeit bedeuten und nur starke Männer dazu fähig sind, stimmt in den meisten Bereichen so nicht mehr. Dank der Automatisierung der Arbeitsprozesse ist in vielen technischen Berufen Körperkraft kein Thema mehr. Die Arbeitsplatzsicherheit hat gerade bezüglich Sauberkeit und Gesundheit wichtige Verbesserungen erzielt.
Für die Ausübung von technischen Berufen braucht es neben Fach- und Sachwissen ebenso soziale und kommunikative Kompetenzen, also die Fähigkeiten, die üblicherweise Frauen zugeschrieben werden.