Oliver Fritz
Präsident von Network - Schweizer Verein für schwule Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik

Vor allem grössere Unternehmen mit internationaler Belegschaft legen darauf aus guten Gründen grossen Wert. Zunehmend finden sich in den Leitbildern der Unternehmen explizite Formulierungen, dass die Einzigartigkeit und Verschiedenartigkeit der Mitarbeitenden anerkannt wird und das Potenzial für das Unternehmen nutzbar gemacht werden soll.

Diversity als wichtiger Pfeiler einer Unternehmens- und HR-Strategie hat in den letzten Jahren einen festen Platz eingenommen, vor allem grössere Unternehmen mit internationaler Belegschaft legen aus guten Gründen grossen Wert darauf. Zunehmend finden sich in den Leitbildern der Unternehmen explizite Formulierungen, dass die Einzigartigkeit und Verschiedenartigkeit der Mitarbeitenden anerkannt und das Potenzial für das Unternehmen nutzbar gemacht werden sollten.

Es kann die Hautfarbe, ein Kleidungsstil, eine traditionelle Kopfbedeckung, die Sprache oder ein anderes sofort erkennbares Merkmal sein, das Kollegen und Vorgesetzen eine unmittelbare Einordnung erlaubt, meist schon im Laufe des Rekrutierungsprozesses.

Während Heterosexuelle, ohne darüber gross nahzudenken, einen natürlichen Umgang mit dem Privatleben, mit Erzählungen von Zuhause oder mit Berichten vom Familienurlaub pflegen, befürchten Lesben und Schwule nach wie vor, dass ihre Erzählungen als unpassend oder störend empfunden würden. Aus diesen und vielen anderen Gründen sind Schwule und Lesben am Arbeitsplatz nach wie vor oft ungeoutet und bleiben somit als Persönlichkeiten teilweise unsichtbar.

 

Ein hoher Preis
Die sexuelle Orientierung ist ein wichtiger Teil der Identität. Sie prägt und beeinflusst viele verschiedene Lebensbereiche. Sowohl bei heterosexuellen Männern und Frauen wie bei Homosexuellen. Das Ausklammern dieses Teils der Persönlichkeit aus einem wichtigen Teil des Alltags, der Arbeitswelt, hat gravierende Konsequenzen auf die Lebensqualität.

 

Das Coming-Out entlastet
Wenn Schwule und Lesben aber den Mut haben, zu sich selber zu stehen – genauso selbstverständlich und natürlich wie ihre heterosexuellen Mitarbeitenden –, wenn sie ohne nachdenken zu müssen und ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen, einfach sie selbst sein können und wenn sie alle Facetten ihrer Persönlichkeit in ihren beruflichen Arbeitsalltag einbringen können, dann kommt ihr gesamtes Potenzial zum Tragen.

 

Unterstützung ist nötig
Heldinnen und Helden sind nicht alle. Seien wir ehrlich, die Wenigsten. Aber in der Gemeinschaft fühlen sich viele besser. Daher sind Vereine wie WyberNet für lesbische und Network für schwule Führungskräfte eine wichtige Unterstützung auf dem Weg zur Entfaltung der ganzen Persönlichkeit am Arbeitsplatz. Network ermutigt Lesben und Schwule dazu auf, sich am Arbeitsplatz zu outen und sich für die Gleichberechtigung und Akzeptanz einzusetzen. Es braucht Lesben und Schwule, die mit ihrer sexuellen Orientierung bei der Arbeit genauso selbstverständlich umgehen, wie ihre heterosexuellen Arbeitskolleginnen und -kollegen oder Vorgesetzte. Nicht nur um einen persönlichen Beitrag für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben heute und in Zukunft zu leisten, sondern auch der eigenen Lebensqualität, Gesundheit und dem beruflichen Erfolg zuliebe.

Als Netzwerkorganisationen bieten WyberNet und Network Unterstützung rund um das Thema Coming-Out oder Sensibilisierung am Arbeitsplatz an. Beispielsweise durch Vorträge in deinem Betrieb oder durch persönliche Gespräche mit Gleichgesinnten. Diesen Sommer wird eine Konferenz mit dem Titel „Vielfalt schafft Mehrwert“ angeboten, im Rahmen des Zurich Pride Festivals am 11. Juni 2014 in Zürich. Network ist davon überzeugt, dass man so zu einer Win-Win-Situation für Firmen mit aktiver Diversity-Policy und schwule und lesbische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen kann.