Anja Derungs
Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich

Nichts. Und trotzdem werden Lesben, Schwule und Transmenschen im Berufsleben auch heute noch benachteiligt – offen, aber auch subtil. Denn Heterosexualität und das Zweigeschlechtermodell gelten noch immer als unhinterfragte Normen.

Homosexuelle oder Transmenschen kommen im Alltag gar nicht umhin, sich immer wieder zu outen. Beim Bewerbungsgespräch, bei der Ärztin, im Büro, am Elterngespräch in der Schule. Abwertende Erfahrungen können zu Tabuisierung, Isolierung und Ausgrenzung führen. So gibt ein schwuler Mann beispielsweise zu Protokoll: «Mein Verhalten bei der Arbeit beinhaltet einiges an Selbstzensur»

Dabei sollten auch Lesben, Schwule und Transmenschen darauf vertrauen können, am Arbeitsplatz respektvoll und diskriminierungsfrei behandelt zu werden. Das fängt im Kleinen an: nicht peinlich genau darauf achten zu müssen, nichts von der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu erzählen; bei offiziellen Einladungen nicht alleine kommen zu müssen; den bevorstehenden Geschlechtsangleichungsprozess am Arbeitsplatz thematisieren zu können; auch im Gespräch mit der Chefin oder dem Vorgesetzten offen sein zu können.

«Klare Signale und eine offensive Informationspolitik sind wichtig.»


Klare Signale sowie eine offene und offensive Informationspolitik sind wichtig, um Benachteiligungen entgegenzuwirken. Denn diese schaden nicht nur dem Arbeitsklima und der Produktivität, sondern können auch viel Geld in Form von Gerichtskosten und Reputationsverlust verursachen. So hat die Schlichtungsbehörde des Kantons Zürich in mehreren Fällen Diskriminierungen am Arbeitsplatz aufgrund der Trans- bzw. Homosexualität der Betroffenen in Anwendung des Gleichstellungsgesetzes festgestellt.

Wie können sich also Unternehmen als homo- und transfreundlich bekennen? Wichtig sind Vorgesetzte, die Benachteiligungen nicht tolerieren und klare Botschaften aussenden. Umsobesser, wenn diese Botschaften auch ausdrücklich in innerbetriebliche Reglemente Eingang finden. Mitarbeitende mit Publikumskontakt müssen adäquate Handlungsstrategien kennen. Anlaufstellen können Ratsuchenden Unterstützung bieten. Wer sich Vielfalt auf die Fahne schreibt, sollte auch etwas für diese Vielfalt tun.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Beratungsstellen – lesbisch, schwul, bisexuell, trans*:


http://www.stadt-zuerich.ch/content/prd/de/index/gleichstellung/auskunft_beratung/beratungsstellen.html
Mehr zum Thema und Übersicht über Vereine und Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind:
https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/gleichstellung/themen/LGBTI.secure.html
Medienberichte zur Plakatkampagne „Warum sollte ich mein Kind deshalb weniger lieben?“ der Fachstelle für Gleichstellung und den Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ):
http://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/gleichstellung/medien/medien_berichte.secure.html%20und%20/www.haz.ch/VBZ-Kampagne.htm

 

Catherina Bernaschina
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