Frau Dr. Ursula Keller ist seit über 20 Jahren Professorin für Physik an der ETH Zürich und rät Firmen, die Gleichstellung systematisch anzugehen. Im europäischen Vergleich ist in der Schweiz der Frauen-Anteil in Kaderpositionen am geringsten. Diese Situation dürfte nicht zuletzt mit der geschichtlichen Entwicklung zusammenhängen: Erst im Jahre 1971 wurde das Frauenstimmrecht eingeführt – als letztes Land in Europa. Das Gleichstellungsgesetz im Erwerbsleben wurde  sogar erst im Jahre 1995 eingeführt. Vor diesem Hintergrund sind diese stagnierenden Entwicklungen besser verständlich. «Als ich vor über 20 Jahren als erste Professorin in Physik an die ETH Zürich berufen wurde, war das Gleichstellungsgesetz im Erwerbsleben noch nicht in Kraft», betont Frau Dr. Ursula Keller. Als Forscherin in einer angewandten Wissenschaft wie in Physik oder Technik habe sie als Frau den Vorteil, dass sie konkrete Ergebnisse liefern müsse. Wenn zum Beispiel der neue Laser läuft, dann habe sie ihren Job gut gemacht unabhängig davon, ob sie nun eine Frau ist.  Keller rät daher Frauen, schon bei der Berufs- und Studienwahl Weichen zu stellen und den Mut zu haben, auch männerdominierte Berufe  in Betracht zu ziehen. 

Richtlinien und systematische Kontrollsysteme

Wenn Frauen weiterkommen möchten, müssen sie kommunikationsstark sein, Entscheide fällen und sich durchsetzen können. Leider werden erfolgreiche Karrierefrauen oft nicht für ihre Entscheide gelobt und fallen gar oft in Missgunst;  unbeliebte  Entscheide von Männern hingegen werden respektiert und als notwendig empfunden. In dieser Hinsicht sind immer noch starke Rollenbilder vorhanden, welche es der Frau erschweren, sich zu positionieren. Damit ein Umdenken stattfinden kann, müssen Firmen Richtlinien erstellen und messbare Zielsetzungen erarbeiten, dies im Sinne einer Corporate Governance, welche auf Geschäftsleitungsebene erlassen wird.

Corporate Governance

Eine Corporate Governance vereint Vorschriften, Werte und Grundsätze, die für ein Unternehmen gelten sollen, und bestimmt, wie diese geführt und überwacht werden. Eine konsistente und transparente Corporate Governance ist ein Managementsystem und führt langfristig zu mehr Wertschöpfung eines Unternehmens. Ein solches Regelwerk kann sehr vielschichtig und auf die Firma individuell zugeschnitten werden  und  enthält obligatorische und freiwillige Massnahmen, wie das Einhalten von Gesetzen und Regelwerken, das Befolgen anerkannter Standards und Empfehlungen sowie das Entwickeln und Befolgen eigener Unternehmensleitlinien. Gute Corporate Governance gewährleistet verantwortliche, qualifizierte, transparente und auf den langfristigen Erfolg ausgerichtete Führung.

Flankierende Massnahmen

Als Teil einer Corporate Governance kann beispielsweise eine Frauen-Quote helfen, den Frauenanteil zu regulieren. Wenn Frauen eine Minderheit in Firmen sind, fehlt die Akzeptanz. Arbeiten gemischte Teams miteinander, fällt dieses Gefälle von selbst weg und die Akzeptanz wird dadurch quasi auf natürliche Weise reguliert. Als flankierende Massnahmen bewähren sich auch Mentoringprogramme für Frauen, welche Frauen in ihrer Karriere unterstützen.

Femdat.ch

Träger des Vereins Femdat sind sämtliche Schweizer Universitäten und Hochschulen. Frau Dr. Ursula Keller ist Vorstandsmitglied. Der Verein fördert die Präsenz und die Vertretung von Frauen in Lehre, Forschung, Beruf und in der Gesellschaft allgemein und will insbesondere ihre beruflichen Chancen verbessern. Femdat.ch bietet ambitionierten Frauen und Akademikerinnen das umfassendste Stellennetz und begleitet Unternehmen und Frauen bei Ein-, Auf- und Umstieg mit Expertise, Netzwerk und Beratung.