Dies belegt eine unserer Studien aus dem Jahr 2011, aber vor allem auch der Alltag. Eines der dringlichsten Ziele sollte deshalb sein, den Nachwuchs in diesem Bereich zu fördern und dabei einen besonderen Fokus auf die Frauen zu richten.

In der Schweiz ist die Ingenieurbranche nach wie vor eine Männerdomäne.Der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Absolventen von Studiengängen der Informatik und der Ingenieurwissenschaften beträgt lediglich 16,3 Prozent und ist damit auch im internationalen Vergleich äusserst tief. Immer wieder wird spekuliert, weshalb das so ist. Einer der Gründe ist sicherlich, dass es zu wenige Vorbilder für die jungen Frauen gibt. Zudem haben technische Berufe ein negatives Image und Fächer wie Mathematik, Informatik, Chemie und Physik gelten als anspruchsvoll und werden «naturgemäss» den Männern zugeschrieben. Viele junge Frauen trauen sich deshalb zu wenig zu und werden andererseits in technischen Belangen auch nicht gleich akzeptiert wie Männer. Deshalb braucht es hier dringend Aufklärungsarbeit und Förderprojekte. Denn im tiefen Frauenanteil schlummert ein beachtliches Potential, das wir mobilisieren und nutzen sollten.

Es muss uns also gelingen, Frauen verstärkt für ingenieur- und informatikwissenschaftliche Studiengänge zu gewinnen und den Ingenieurberuf für Frauen attraktiv zu machen. Und es gibt meines Erachtens genügend gute Gründe, weshalb sich diese Investition lohnt. So sind die spezifisch weiblichen Kompetenzen und Sichtweisen wichtig für die technische Entwicklung, sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Frauen in der Technik haben das Potential, den technischen Wissenschaften ihren manchmal etwas antiquierten Ruf abzustreifen und sie für die Öffentlichkeit positiver, glaubwürdiger und attraktiver darzustellen. Um das zu erreichen, braucht es verschiedene neue Wege, die beschritten werden müssen. Prioritär sind für mich dabei die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch danach, wenn die Frauen im Berufsalltag angekommen sind, braucht es ein Umdenken. Neben den Stichworten «Chancengleichheit» und «Frauenförderung» ist dies auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und hier sehe ich bei den technischen Berufen viele Vorteile, denn diese lassen sich ideal mit Teilzeitarbeit vereinen.

Doch welche Wege auch immer beschritten werden, sie alle haben eines gemeinsam: Es ist wichtig, dass Bund und Kantone hier die Stossrichtung angeben und entsprechende Projekte unterstützen. Nur so kann das öffentliche Bewusstsein verändert werden. Erste positive Signale diesbezüglich sind denn auch bereits aus Bern gekommen: Auf politischer Ebene wurde die Notwendigkeit für eine gezielte Förderung des Ingenieurnachwuchses erkannt. National- und Ständerat haben im Legislaturprogramm 2011 bis 2015 die Förderung der MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) auf allen Schulstufen verankert. Was aber noch folgen muss, ist die gezielte Förderung der Frauen.
Ich bin überzeugt, dass mehr Frauen in der Technik einen grossen Mehrwert bringen und unsere Innovationskraft und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes steigern würden. Deshalb wird sich unser Verband auch in Zukunft mit ganzer Kraft dafür
einsetzen.