«Karriere gemacht» – sie habe das nie so empfunden, auch nicht geplant. Umso bemerkenswerter ist die berufliche Laufahn von Marina Bartetzko. Sie zählt heute zum Topkader der Post. Die 49-Jährige ist Mitglied der Geschäftsleitung von Asienda, dem Joint Venture der Schweizerischen Post und der französischen La Poste. Sie arbeitet in Bern und in Paris. Wie hat sie es dorthin geschafft, wo sie heute ist? «Immer wenn sich eine Gelegenheit ergab, machte ich den Schritt», sagt die Mutter von zwei Töchtern. So habe sie ihr Betätigungsfeld und Verantwortungsgebiet in den vergangenen zwanzig Jahren stets ein wenig ausgeweitet. «Manchmal ging das ein bisschen quer, auch mal runter, dann aber wieder die Leiter hoch», sagt sie und lacht.

Nicht emotional, sondern sachlich

Die Laufbahn von Bartetzko klingt nach einer klassischen Karriere. War das als Frau einfach? «Nein!», sagt sie entschieden. «Es gab Ende der 1990er-Jahre Stimmen, die wortwörtlich sagten, ich sei eine Zumutung in der Geschäftsleitung, ich würde nach Hause an den Herd gehören.» Bartetzko hat diesem Druck jedoch standgehalten. «Indem ich nicht auf die emotionale, sondern lediglich auf die sachliche Diskussion eingegangen bin.» Sie habe Fragen in den Raum gestellt wie: Ob sie die Ziele denn nicht erreiche? Ob die Qualität ihrer Arbeit denn nicht stimme? Die Antwort war: doch. Das Thema in der Arbeitswelt sei ja nicht nur Frau, sondern auch Teilzeit – besonders im Kader. Grundsätzlich sei es so, wenn ein Vorgesetzter Teilzeit nicht unterstütze, dann könne einem das Leben sehr schwer gemacht werden. «Ohne Rückendeckung vom Chef geht gar nichts.» Und ohne richtigen Partner auch nicht, fügt Bartetzko an.

Der Karrierenknick kommt nach dem ersten Kind

Die berufliche Laufbahn einer Frau sei bis zum ersten Kind eigentlich immer linear. «Dann kommt der Knick.» Das System in der Schweiz sei nach wie vor sehr männlich orientiert. «Es braucht ein partnerschaftliches System!» Zeit ansparen für die Familie Grosse Unternehmen setzen seit ein paar Jahren zunehmend auf Frau und Familie – werden infolgedessen familienfreundlicher. Dazu zählt die Post. «Die Arbeitsmodelle sind fl exibel und zahlreich», sagt Bartetzko. So gebe es etwa für das administrative Personal kaum Blockzeiten, viele Teilzeitstellen und die Jahresarbeitszeit. Weiter bestünde die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, und Überzeit könnten GAV-Mitarbeitende auf einem Konto ansparen und gezielt einsetzen: «Das ist besonders interessant für werdende Eltern.»