Gemäss dem Bundesrats-Bericht von 2010 weisen sämtliche Berufe in den Sparten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eine ungleiche Geschlechterverteilung auf. Der hohe durchschnittliche Beschäftigungsgrad von 87 Prozent der weiblichen Belegschaft zeigt, dass flexiblere Arbeitszeitmodelle in der ICT dringend eingeführt werden sollten. Dabei sollte gerade in diesem Bereich, wo die Arbeit häufig auch im Home Office erledigt werden kann, die Vereinbarkeit von Familien und Beruf relativ einfach zu ermöglichen sein. Dies könnte nicht zuletzt am bisher sehr männlich dominierten Berufsbild liegen und auf die dazugehörende rigide Organisationsstruktur zurückzuführen sein. Wenn die Schweizer Wirtschaft in den nächsten 7 Jahren 72 500 zusätzliche ICT-Fachkräfte benötigt, dann wird sie ohne einen höheren Frauenanteil nicht auskommen. Nur so kann langfristiges Wachstum garantiert werden. Junge Mädchen sollten ihre Karriere von Beginn weg planen, zum Beispiel mit einer gezielten Informatik-Lehre oder einem entsprechenden Studium. Danach sollten sie sich nicht scheuen, technische Trainingsprogramme zu absolvieren. Eine gute Aus- und Weiterbildung bildet die Basis für eine Berufskarriere.
 

Karriere-Tips

Sheryl Sandberg ist eine Frau, die sich im männerdominierten ICT-Geschäft durchgesetzt hat. Als rechte Hand von Mark Zuckerberg lenkt sie die Geschäfte von Facebook: Über eine Milliarde Menschen sind darin vernetzt. Mit dem Gang an die Börse wurde sie zur Millardärin. Nun hat sie als verheiratete Mutter zweier fünf und acht Jahre alter Kinder in einem Buch ihre Karriere-Tipps niedergeschrieben. Anstoss dazu gab ihre kleine Tochter. «Sie hat mich gefragt, warum eigentlich alle amerikanischen Präsidenten Jungs waren. Da wusste ich, jetzt muss jemand über das Thema schreiben.» Sandberg ermutigt die Mädchen, selbstbewusster und aggressiver aufzutreten. Das aber ersetzt eine solide Aus- und Weiterbildung nicht! Sandberg studierte in Harvard und wurde von ihrem Mentor Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister, zur Weltbank geholt. Später wechselte sie zu Google und begleitete den Börsengang. Jetzt managt sie das Netzwerk von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Trotzdem ist sie keine Anhängerin der Frauenquote. Es gehe nicht um Biologie, es gehe um Bewusstsein, erklärte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

 

Für ICT-Berufe begeistern

Wichtiger ist es Frauen frühzeitig für ICT-Berufe zu begeistern, ihnen im Job die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten und unbegründete Angst vor der Technik zu nehmen. Hier muss die gesamte Branche noch weiter tüchtig Aufklärungsarbeit leisten. Die Partnerin bei einer internationalen Unternehmungsberatungsfirma weist darauf hin, dass Unternehmen ihre Personalstrategie sorgfältig und übergreifend planen müssen. Als Personalchefin weiss sie, dass Arbeitgeber auf die speziellen Anforderungen der Geschlechter eingehen müssen. Nur so werden sie langfristig Führungspositionen mit den richtigen Fachkräften besetzen können. Und das ist schliesslich der Schlüssel zum Erfolg des ganzen Unternehmens.