Judith Baumberger
Unternehmensberaterin bei Human Resources Services; sie engagiert sich ehrenamtlich als Präsident beim BPW Club Zürich (Business & Professional Women)

Geht es wirtschaftlich bergab, werden zuerst die flexiblen Arbeitsverhältnisse aufgelöst – meistens betrifft dies Frauen. Denn sie arbeiten oft Teilzeit und kümmern sich um Kinder sowie Haushalt. Bleiben sie zu lange fern vom Erwerbsleben, resultiert daraus ein Karriereknick. «Den Einstieg auf dem gleichen Level schaffen nur die wenigsten», erklärt Judith Baumberger, Präsidentin des BPW Clubs Zürich. Kommt hinzu, dass sie nicht dieselbe Flexibilität wie die Männer gewährleisten können, die in Zeiten der Globalisierung wichtig ist. Trotzdem sind weibliche Qualitäten wie Team- und Dialogfähigkeit, emotionale Intelligenz und Organisationstalent in der Wirtschaftswelt zunehmend gefragt.
 

Frauen auf dem Vormarsch

In vielerlei Hinsicht entspricht die Frau dem Zeitgeist. Sie gilt als grösste Wirtschaftsmacht. Gemäss der Boston Consulting Group fällte sie 2010 in den USA 73 Prozent der Konsumentenentscheide. Die Zahl der Hochschulabsolventinnen erhöhte sich gemäss der UNESCO weltweit von 51 Prozent im Jahr 2000 auf 54 Prozent im Jahr 2010 – Tendenz steigend. Ebenfalls nach oben zeigt die Kurve der Daten der Credit Suisse aus dem Jahr 2012. Diese belegen, dass der Anteil der weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder in international tätigen Unternehmen von 41 Prozent im Jahr 2005 auf 59 Prozent im Jahr 2011 stieg. Unternehmen setzen häufiger auf Nachwuchspools, Diversity- und Frauenförderungsprogramme. Ausserdem bieten sie beispielsweise Kinderkrippen an, um Mitarbeiterinnen für sich zu gewinnen.
 

Frau und Performance

Dieselbe Studie zeigt auf, dass eine gemischte Geschäftsleitung zu einem ausgewogeneren Zyklus führt: mehr Balance, weniger Volatilität. Eine Untersuchung von Catalyst Inc., einer Non-Profit-Organisation für Frauenförderung im Berufsleben, gelangte zum Schluss, dass Unternehmen mit Managerinnen tendenziell profitabler sind. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam McKinsey. Vor allem Wirtschaftsbereiche, die nahe am Endkonsument stehen wie das Gesundheits- oder das Finanzwesen ernennen vermehrt Frauen in die Geschäftsleitung. «Dazu beigetragen hat sicher der immer lauter werdende öffentliche Ruf nach Frauen in Führungspositionen», führt Judith Baumberger aus.
 

Unerlässlich für eine gelungene Laufbahn

Um die Karriereleiter zu erklimmen, braucht es menschliche wie fachliche Qualifikationen, zudem Zielstrebigkeit, Durchhaltewillen und Überzeugungskraft. Wesentlich ist gemäss Judith Baumberger, dass die Frau ihre femininen Stärken auf eine natürliche Art und Weise einbringt. Sie soll menschlich bleiben, sich unverkrampft verhalten und Weiblichkeit ausstrahlen. Dadurch punktet die Managerin sowohl in Männergremien als auch bei den Mitarbeitenden.