Ursula Büsser
Leiterin der Geschäftsstelle Compasso

Warum zögern Unternehmen, beeinträchtigte Arbeitnehmende einzustellen? Sie fürchten den zusätzlichen Betreuungsaufwand, die anfallenden Kosten für spezifische Integrationsmassnahmen und vermuten, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs so geschwächt werden könnte. Doch viele positive Fallbeispiele zeigen: Die berufliche Eingliederung kann gut gelingen und wirkt sich positiv auf ein Unternehmen aus. Mehr Vielfalt im Team bringt Nutzen und Gewinn für das Unternehmen. Ein gutes Beispiel ist Tour de Suisse Rad AG, die einen Gehörlosen im Team integriert hat. Der Geschäftsführer von TDS bestätigt: «Ob Alter, Geschlecht, Nationalität oder Beeinträchtigung – wir sehen, eine gute Durchmischung ist positiv für unser Betriebsklima.» Es fordere immer wieder dazu auf, als Team zusammenzuarbeiten. Eine beeinträchtigte Person einzustellen, brauche persönlichen Einsatz. Genau deshalb aber sei es auch eine Bereicherung. «Es schweisst zusammen.»

Loyale Mitarbeitende für das Unternehmen
Mitarbeitende spüren die Wertschätzung, die ihnen ihr Arbeitgeber entgegenbringt. Zahlreiche Arbeitgeber bestätigen die besonders hohe Motivation und Loyalität von eingegliederten Mitarbeitenden. Ein Arbeitsumfeld, in dem Platz für Individualität ist, steigert die Mitarbeiterzufriedenheit und die Mitarbeiterbindung, was sich dank niedrigerer Fluktuationsrate kostensenkend auf das Personalmarketing auswirkt. Das Internationale Uhrenmuseum in La Chaux-de-Fonds hat einen Mitarbeiter eingestellt, der seit Geburt mit Ataxie lebt. Nicole Bosshart, stellvertretende Direktorin, hält die Vorteile fest: «Die hohe Loyalität eingegliederter Arbeitnehmender, die vertrauensbildenden Auswirkungen auf die ganze Belegschaft, die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt als attraktiver, sozial verantwortlicher Arbeitgeber – und nicht zuletzt die menschlich bereichernden Erfahrungen.»

Die IV als zentrale Unterstützerin für Arbeitgeber
Die Invalidenversicherung (IV) zählt auf das Engagement der Arbeitgeber und bietet ihnen eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten. So kann sie etwa dem Arbeitgeber während bestimmten Eingliederungsmassnahmen einen finanziellen Beitrag leisten. Auch finanziert die IV befristete Arbeitsversuche. Diese ermöglichen eine für den Betrieb kostenlose «Testphase» eines potenziellen Mitarbeitenden. Dabei kann abgeklärt werden, wo die Stärken und Schwächen des Kandidaten liegen, wie leistungsfähig er in der Tat ist und ob er ins Unternehmen passt. Bei einer Anstellung ist zudem in gewissen Situationen zusätzlich die Bezahlung eines Einarbeitungszuschusses möglich. Erkrankt der neu angestellte Mitarbeitende in der Folge, kann die IV dem Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen eine Entschädigung für Beitragserhöhungen der beruflichen Vorsorge und der Krankentaggeldversicherung ausrichten.

Im Rahmen der 6. IVG-Revision wurden die Risiken für die Arbeitgeber bei der Einstellung von Rentnern weiter verringert. Während drei Jahren nach Wiedereingliederung kommt die sogenannte Schutzfrist zum Tragen. Der ehemalige IV-Rentner hat während dieser Zeit bei einer erneuten Arbeitsunfähigkeit Anrecht auf dieselben Leistungen der IV und der Pensionskasse wie vor seinem beruflichen Wiedereinstieg. Das gibt ihm und seinem Arbeitgeber eine finanzielle Sicherheit, den Schritt der Wiedereingliederung zu wagen. Neben den vielfältigen Leistungen der IV unterstützen auch die anderen Sozialversicherungspartner und verschiedene Institutionen die berufliche Eingliederung.

 

COMPASSO

Berufliche Eingliederung – Informationsportal für Arbeitgeber. Die Sanierung der IV kann erst erreicht werden, wenn sich noch mehr Arbeitgeber für die Eingliederung von Menschen mit einer Beeinträchtigung engagieren. Um Vorbehalte abzubauen und Arbeitgeber praxisnah zu informieren, wurde die Informationsplattform von Compasso geschaffen. Sie orientiert über die aktuellen Unterstützungsangebote der IV, der Suva und von Privatversicherern und zeigt auf, wie ein Betrieb Anforderungen und Risiken einer beruflichen Eingliederung unter Kontrolle halten kann.

Weitere Informationen finden Sie unter: