In der Schweiz ist Lohnarbeit, verbunden mit der entsprechenden beruflichen Stellung, ein wesentlicher Bestandteil der gesellschaftlichen Anerkennung. Wer nach einem Unfall oder wegen einer fortschreitenden Erkrankung gesundheitliche Beeinträchtigungen hat, für den ist es aber schwierig, eine passende Stelle zu finden. Das gilt auch für Menschen, die von Geburt an beeinträchtigt sind. Die Arbeitsintegration solcher Menschen ist eine grosse gesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, Betroffene mit einem Handicap in die Arbeitswelt einzubeziehen. «Eine erfolgreiche Arbeitsintegration bedeutet für diese Menschen, dass sie einen Lohn erhalten und am Berufsleben teilnehmen können», sagt Pirmin Willi, Direktor der Stiftung Brändi mit Sitz im luzernischen Kriens.

Geschützte Arbeitsplätze
Doch das genügt nicht. Einen hohen Stellenwert hat auch die soziale und kulturelle Integration. «Neben niederschwelligen Jobangeboten und geschützten Arbeitsplätzen müssen behinderten Menschen auch organisierte Wohn- und Freizeitangebote zur Verfügung gestellt werden», betont Willi. Arbeit, Ausbildung und Wohnen bezeichnet er als Grundlage für ein individuelles und selbstbestimmtes Leben. Die Stiftung bietet heute im Kanton Luzern über 1000 Arbeits- und Ausbildungsplätze und 330 Wohnplätze an. Mit insgesamt 1700 Beschäftigten ist sie damit einer der grössten Arbeitgeber im Kanton und arbeitet aus Synergiegründen eng mit der Industrie und dem Gewerbe zusammen. «Wir verfügen zudem über einen soliden Eigenfinanzierungsgrad», betont Willi. Sich in wirtschaftlicher Hinsicht sozial zu verhalten und gleichzeitig hohe Produktions- und professionelle Dienstleistungen anzubieten, sei ein Gebot der Stunde, fügt er an.

Integrationschancen verbessern
Eine Behinderung kann jeden von uns treffen. Die Ursachen können Geburtsgebrechen sein, ein schwerer Unfall oder eine psychische Erkrankung. «Deshalb braucht es Stiftungen und Organisationen, die sich für Menschen mit einer Einschränkung engagieren, die es schwer haben, in der freien Marktwirtschaft einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden», sagt Pirmin Willi. Grundsätzlich sei die Integration von Menschen mit Behinderung eine Aufgabe der Gesellschaft. Diese werde heute grösstenteils an Behinderteninstitutionen delegiert. Die Gesellschaft als Ganzes bleibe aber mitverantwortlich. «Sie muss die notwendigen Mittel auch weiterhin zur Verfügung stellen.» Zusätzlich brauche es eine enge Vernetzung zwischen Behindertenorgani?sationen und Industrie- und Gewerbebetrieben. «Unsere Industriepartner sind oft auch Ausbildungspartner», erwähnt Willi in diesem Zusammenhang. Dadurch würden die Integrationschancen markant verbessert. Gleichzeitig müssten aber auch Vorurteile abgebaut und die Fähigkeiten von Menschen mit einer Behinderung sicht- und nutzbar gemacht werden. Arbeitgeber, die den Wert und das Potenzial erkannt hätten, die mit der Anstellung von Menschen mit einer Behinderung verbunden sind, sollen auf Unterstützung zählen können – ebenso Stellensuchende mit einer Behinderung, die in der freien Marktwirtschaft arbeiten wollen. «Es geht darum, für solche Menschen eine ihren Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit zu finden und sie damit sozial und kulturell zu integrieren», fasst Pirmin Willi zusammen.


Christian Lanz
redaktion.ch@mediaplanet.com

 

--------------------
Nützliche Links:
www.braendi.ch