In den letzten Jahren ist die Zahl der Studentinnen an der ETH sukzessive auf einen Anteil von 30 Prozent gestiegen. Allerdings nicht in jedem Studiengang. Besonders beliebt bei den ­Studentinnen sind vor allem die Life-Science-Lehrgänge (Pharmazie, Biologie, Agronomie etc.), erklärt Brigitte Manz-Brunner, Geschäftsführerin der Schweizerischen Vereinigung der Ingenieurinnen (SVIN) und NaTech Education. Letztere hat zum Ziel, Naturwissenschaften (Chemie, Biologie, Mathematik, Physik) und Technikverständnis (u.a. Informatik) in die Bildungskonzepte der Schweiz zu integrieren.

«Im Gegensatz zum relativ hohen Frauenanteil bei den Life-Science-Studiengängen, fällt der Anteil von Studentinnen im Maschinenbau und im Ingenieurwesen sowie in der Informatik mit 8–12 Prozent nach wie vor mager aus. «Hier gibt es noch einiges zu tun», konstatiert Brigitte Manz-Brunner. Sie nennt drei Ursachen für diese unterschiedliche Entwicklung: «Zunächst ist es ein Image-Problem. In unserer hoch technologisierten Gesellschaft werden die Hintergründe der «Technologie» und ihr Einfluss auf die Wirtschaft vernachlässigt. Nach jeder Katastrophe (Zum Beispiel Fukushima) wird der Begriff Technologie negativ besetzt. Dabei gehen die positiven Aspekte verloren.» Als weitere Ursache führt sie das nach wie vor männlich geprägte Bild der Technologie in der heutigen Gesellschaft an. Ebenso das immer noch etwas tiefere Prestige solcher Berufe.
 

«Wer früher beginnt, ist eher am Ziel»

Gibt man den Kindern das nötige Wissen, ist es möglich gewisse naturwissenschaftliche Themen zu behandeln. Im neuen Lehrplan ist eine Aufwertung der naturwissenschaftlichen Fächer und insbesondere der Mathematik und Physik vorgesehen, erklärt Brigitte Manz-Brunner. Damit wolle man das Interesse für Naturwissenschaften und Technik fördern. Aber die Förderung der Sprache sei auch wesentlich, um das Verständnis für mathematische Fächer zu fördern. «Man muss beides «Sprache und Mathematik» fördern. So kann man zum Beispiel die Technik sehr gut in den Geografie-Unterricht einfliessen lassen. Ebenso lässt sich die ganze Naturwissenschaft in sprachlichen Fächern erklären.» In Frankreich haben zum Beispiel auf Initiative des Nobelpreisträgers in Physik, Georges Charpak, die Naturwissenschaft ins Fach Französisch eingebaut. Dies habe nicht nur das Verständnis für die Naturwissenschaft sondern auch die Integration von Emigranten-Kindern gefördert. Entsprechende Versuche finden auch in der Schweiz im stufengerechten interdisziplinären Unterricht an den pädagogischen Hochschulen statt.
 

Neue Aspekte in Forschung und Entwicklung einbringen

Technik ist ein zentraler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Es ist daher wichtig, dass auch Frauen Einfluss nehmen, mitgestalten und ihre eigenen Vorstellungen einbringen. Zudem ist in dem Ingenieurberuf eine gesamtheitliche Sicht auf die Fragestellungen gefragt, was dem weiblichen Technikzugang entgegenkommt. Frauen legen Wert auf Benutzerfreundlichkeit, Praxisnähe und Kooperation. Frauen bringen neue Gedankengänge ein und können die Technik positiv beeinflussen. Die Studie «Diversity im Innovationssystem» aus Deutschland zeigt die Chancen und die Nutzung des Potenzials von Frauen im Innovationssystem klar auf.
 

Networking ist essentiell für das berufliche Vorankommen

Insgesamt betrachtet ist für die viele InnovationsträgerInnen die Unterstützung durch das soziale Umfeld am wichtigsten. Das Vorhandensein positiver weiblicher und männlicher Rollenvorbilder prägt das berufliche Fortkommen. Und schlussendlich spielt das Engagement in Netzwerken eine wichtige Rolle, da die meisten Stellen intern besetzt werden. Und leider unterschätzen die Frauen häufig die Bedeutung fachlicher Netzwerke (old boys’ networks!) für das berufliche Fortkommen.
Und hier greift die SVIN an. «Unsere Vereinigung ist das Netzwerk kompetenter Frauen, die gerne auch als «Vorbild» dienen und die Vielfalt der ­beruflichen Wege in technischen (Ingenieur) Bereichen aufzeigen», ergänzt Brigitte Manz-Brunner.