Tipps

Von Nadja Schildknecht

Lohn
Frauen würden bei mir nie weniger verdienen als Männer, nur weil sie Frauen sind.
Das ist bei uns kein Thema und wird es auch nie.
Ausbildung
Ein abgeschlossenes Studium ist gut, aber nicht Voraussetzung für den Erfolg.
Wichtig ist, dass man sich gut überlegt, wo man hin möchte und sich dann dafür einsetzt. Von nichts kommt nichts.
Hausfrau oder Karriere
Das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, dass man ehrlich zu sich selbst ist und dann die Möglichkeiten mit der Familie bespricht.
Karriere und Hausfrauen sind bewundernswert – beide auf ihre Art und Weise.
Familie
Die Familie ist das Wichtigste, jedenfalls für mich. Das heisst nicht, dass ich auf alles verzichte und nur noch für die Familie da bin, ich arbeite ja sehr viel.
Wer aber zufrieden mit dem Leben ist, kann sich auch entspannter in der Familie einbringen. Somit muss man auch hier ehrlich zu sich selbst sein.

Nadja Schildknecht, was für ein Chef sind Sie?

Das selbst zu beurteilen, ist schwierig. Meine Mitarbeiter könnten diese Frage besser beantworten.

Versuchen Sie es trotzdem.

Ich hoffe, ein Chef zu sein, der lernt und sich auch selbst immer weiterentwickelt. Ich bin ambitioniert und verlange sicher viel von den Mitarbeitern. Ich bin eher direkt und habe, so wie mir gesagt wird, ein offenes Ohr für Inputs. Aus dem Feedback meiner Mitarbeiter lese ich, dass meine Leidenschaft für die Arbeit ansteckend ist, es leisten aber alle viel in der Firma und dafür bin ich sehr dankbar.

Fürs Zurich Film Festival (ZFF) arbeiten zwanzig fixe Mitarbeiter, rund vierzig stossen temporär ins Büro dazu. Während des Festivals sind sogar Hunderte im Einsatz. Arbeiten Sie schon lange mit den gleichen Leuten zusammen?

Mehr als die Hälfte der fixen Mitarbeiter sind seit mehreren Jahren bei uns tätig. Diese Kontinuität ist sehr wichtig. Das Know-how der miteinander vernetzten Teilbereiche rund ums ZFF ist komplex, sodass es wichtig ist, auf Dauer mit vielen gleichen Kräften arbeiten zu können. Zudem haben wir mit der NZZ am Sonntag zusammen noch das Filmmagazin FRAME ins Leben gerufen und auch wird unser Know-how im Bereich Programm und Marketing manchmal an andere Firmen ausgeliehen. Somit gibt es das ganze Jahr viel zu tun.

Wie ist das Verhältnis der Geschlechter?

Lustigerweise sind circa achtzig Prozent Frauen bei uns tätig.

Bewusst?

Nein. Ich bin absolut keine quotenoriente Person, sondern leistungsorientiert. Das Verhältnis hat sich so ergeben, weil sich mehr Frauen als Männer beworben haben und diese oft auch eher dem gesuchten Profil entsprachen.

Angenommen es bewerben sich für einen Job ein Mann und eine Frau. Beide sind gleich gut qualifiziert. Wer kriegt die Stelle?

‚Gleich gut’ ist nicht ausreichend und entscheidend. Die Frage heisst immer auch noch: «Wer passt besser in unser Team?»

Sie und Karl Spoerri leiten das ZFF als Co-Direktoren. Wie sieht Ihr gemeinsamer Austausch aus? Wer entscheidet in Pattsituationen?

Strategische Entscheide fällen wir immer gemeinsam. Da muss eine Lösung gefunden werden, welche für beide stimmt. Ein Kadermitglied bringt seine wertvolle Meinung ebenfalls ein. So sind wir beim Entscheiden oft zu dritt.

Kommt es überhaupt zu harten Diskussionen?

Sicher. Wir schätzen zwar die Meinung des anderen, wollen aber die eigene durchbringen, wenn wir davon überzeugt sind. So wird dann auch argumentiert. Mal war mein Input überzeugend, dann wieder derjenige von Karl. Am Ende müssen wir beide hinter den Entscheidungen stehen.

Könnten Sie sich die Co-Direktion auch mit einer Frau vorstellen?

Ich arbeite auch sehr gerne mit Frauen zusammen. Dennoch ist es ein Vorteil, dass wir in der Führung Mann und Frau sind.

Erklären Sie!

Ich finde es nicht ideal, wenn nur Männer oder nur Frauen an der Spitze eines Unternehmens stehen. Dann fehlen die Qualitäten des anderen Geschlechts, auch Mitarbeiter schätzen dies. Männer und Frauen gehen oft anders mit Themen um. Auch bei Verhandlungen mit Partnern ist es manchmal spürbar, dass nicht jeder gleich mit einer Frau oder einem Mann umgehen kann.

Weshalb aber gibt es noch immer so viel mehr Männer in Entscheidungspositionen?

Das ist eine Generationenfrage. Erst jetzt werden Frauen langsam in den Chefetagen akzeptiert. In den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren Frauen auf dem Chefsessel noch fast kein Thema.

Sie sind zuerst als Topmodel durchgestartet. Wann war Ihnen klar, dass Sie mehr sein wollen als «nur» Model?

Nach vielen Jahren in diesem Business wusste ich, dass ich irgendwann etwas anderes machen möchte. Aber nicht weil es «nur» modeln war, dies war oft auch fordernd. Ich wusste einfach, dass ich eine Beschäftigung möchte mit Entscheidungskraft.

Topmodel, Filmfestival-Co-Direktorin, wie gehts weiter?

Ich nehme es Schritt für Schritt, das Leben kommt sowieso anders als man denkt.  Wichtig ist, dass man die Arbeit gerne macht und sich weiterentwickeln kann, was bei meiner jetzigen Tätigkeit möglich ist. Zudem ist man als Gesellschafterin anders involviert, man gibt das nicht so unbedacht aus der Hand. Für weitere Herausforderungen bin ich aber immer offen.

Am diesjährigen ZFF stand die Frau im Mittelpunkt. Wieso?

Wir hatten Diane Keaton als Stargast, eine weibliche Jurypräsidentin und dann noch das «Women of Impact»-Dinner. Nur Letzteres habe ich bewusst angepeilt. Der Rest hat sich einfach so ergeben, was mich freute.

Jetzt ist das Festival vorbei. Zeit für Ferien?

Ich habe mir ein paar wenige Tage gegönnt.

War das Handy ausgeschaltet?

Nein. Diese Tage nach dem Festival sind wichtig. Nachbearbeitungen, neue Verhandlungen mit Entscheidungsträgern, Mitarbeitergespräche etc. Rund um Weihnachten und Neujahr ist es dann ruhiger.

Dann bleibt Ihr Handy ausgeschaltet?

Ich schaue sicher jeden Tag kurz nach aber es begleitet mich nicht ständig.

Wie erholen Sie sich nach Ihren Arbeitstagen?

Mit der Familie. Mein Lebenspartner ist gleichzeitig mein bester Freund und mein Sohn bringt mich sowieso ganz schnell auf andere Gedanken.