Herr Frank, warum sind Einrichtungen wie die BSZ Stiftung so wichtig?
Viele Menschen mit Beeinträchtigungen sind mittel- oder langfristig nicht in der Lage, im ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein. Daher hat die Integration in die Arbeit, die wir anbieten, eine grosse Bedeutung.

Sie bieten den Menschen nicht nur Arbeit sondern auch einen Lebensraum...
Es geht uns vor allem darum, Menschen mit Beeinträchtigung die Teilhabe am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Eine Arbeit zu haben, bedeutet ja auch das Gefühl, etwas wert zu sein, für seine Leistung anerkannt zu werden. Die Menschen bei uns erfahren durch ihre Arbeitsleistung eine Wertschätzung. Sie können soziale Kontakte knüpfen und sich persönlich weiterentwickeln.

Wie unterstützen Sie das?
Alle unsere Mitarbeitenden haben eine individuell vereinbarte Zielsetzung. Menschen mit Beeinträchtigungen werden gemeinhin unterschätzt, man traut ihnen nicht viel zu. Dabei sind sie durchaus in der Lage, eine wirtschaftlich verwertbare Leistung zu erbringen. Und das macht die Menschen auch stolz.

Wer ist bei Ihnen beschäftigt?
Menschen mit mehrfachen körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen.

Wer gehört zur letzten Gruppe?
Menschen mit psychischen Krankheiten, die sich nicht mehr ganz erholen konnten. Also keine Beeinträchtigungen kognitiver Art, sondern beispielsweise eingeschränkte Konzen­trationsfähigkeit,  starke Stimmungsschwankungen. Menschen mit solchen Schwierigkeiten können in der freien Wirtschaft immer weniger Fuss fassen oder benötigen eine entsprechende Aufbau- und Trainingsphase.

Nehmen Sie für Ihre Auftraggeber eine Sonderrolle ein?
Wir arbeiten mit der freien Wirtschaft und für uns gelten die gleichen Kriterien, an denen unsere Leistung gemessen wird: Preis, Qualität und Termin. Wir brauchen für die gleiche Tätigkeit nur mehr Leute, als in der freien Wirtschaft mit gesunden Mitarbeitern. Aber wir arbeiten nicht für Dumpingpreise.

Welche Produktionsdienst­leitungen bieten sie genau an?
Wir beliefern vor allem die Holzverarbeitungs- und Metallverarbeitungsbranche, und führen verschiedene Montagearbeiten aus. Ebenso bieten wir Dienstleistungen in der Wäscheverarbeitung, der Gebäudereinigung und im Liegenschaftsunterhalt an. Die grösste Herausforderung besteht in dem Spagat zwischen individueller Förderung und Produktion.

Mit welchen ­Schwierigkeiten haben Sie besonders zu ­kämpfen?
Das beginnt schon mit unserem Image. Oft werden wir als Bastelstube­ be­lächelt. Das entspricht natürlich überhaupt nicht der Realität.

Können Sie Ihren Beitrag für die Wirtschaft beziffern?
Wir erreichen einen jährlichen Produktionsumsatz von rund 6 Mio CHF. Grössere Institutionen können gut einen Umsatz von 20 Mio CHF er­wirtschaften.

Wie viele solcher Institutionen und Werkstätten gibt es in der Schweiz?
Ungefähr 750 mit rund 60000 Menschen mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Davon arbeiten rund 25000 in den Produktionsstätten. Genaue Zahlen über den Wirtschaftsbeitrag insgesamt liegen leider nicht vor. Aber man kann sagen, dass diese geschützten Werkstätten einen grossen Wirtschaftsfaktor ausmachen, das ist vielen Menschen nicht bewusst.

Wie finanziert sich die BSZ Stiftung?
Die BSZ Stiftung wird nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt und finanziert sich aus eigenen Erträgen – erwirtschaftet in der Produktion, in der Gastronomie, im Wohnbereich und aus Spenden. Zusätzlich erhält die BSZ Stiftung aufgrund einer Leistungsvereinbarung Betriebsbeiträge vom Kanton Schwyz für behinderungsbedingte Mehrkosten und Abgeltungen für die beruflichen Massnahmen durch die IV. Der Gesamtaufwand für das Jahr 2010 belief sich auf 32.5 Mio CHF.

Welche Beziehung haben sie  persönlich zu ihrer Arbeit?
Es ist mehr als nur ein Job. Wir haben einen sozialen Auftrag, den es gilt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erfüllen. Dies nehme ich sehr ernst.